Freiheit zu handeln (Gastbeitrag)

Rückblick auf eine innere Reise in 2019 – Gastbeitrag von Bettina Jung zur Blogparade „Kulturwandel im Gesundheitswesen“

Das ist mein erster Blogbeitrag, ich schreibe ihn als Privatperson. Meine Arbeit und meine Gedanken sichtbar zu machen, das lerne ich seit ca. zwei Jahren, auch durch Working out Loud. Einen Blogbeitrag will ich seit über einem Jahr veröffentlichen. Danke an Constanze Zeller von Zukunftsherz für diese Blogparade, die mir den letzten Kick gibt, meine Gedanken über die Freiheit zu handeln als Beitrag zum Kulturwandel im Gesundheitswesen zu teilen.

Es ist Ostern, in einem Breisgauer Dorf spazieren wir eine Straße entlang, gerade haben wir die Ausfahrt eines größeren Anwesens passiert – daran das übliche gelbe Schild „Ausfahrt freihalten“. Wirklich? Irgendetwas ist anders, ich kehre um und lese „Freiheit aushalten“ – das ist originell, gefällt mir!

Eine Gedankenreise über mehrere Monate beginnt. Wo versteckt sie sich, die Freiheit im Alltag, die auszuhalten wäre? Gibt es sie überhaupt – Freiheit im Alltag?

Hat Freiheit etwas mit „Nichtstun“ zu tun? Muss ich Nichtstun aushalten? Diese Gedanken beschäftigen mich in den irischen Wicklow Mountains, südlich von Dublin, wo ich im Sommer zwei Tage verbringe mit Sitzen, Gehen, Schauen, Essen, Schlafen – Nichtstun. In dieser Entschleunigung spüre ich zum ersten Mal den Impuls, meine Gedanken zur Freiheit aufzuschreiben und sie in einem Blog sichtbar zu machen. Erstaunlich ist, zum Willen, einen Blogbeitrag zu schreiben, kommt hier eine Brise „Freiheit“ hinzu. Vermutlich, weil ich mir Zeit genommen habe, die Impulse in mir wahrzunehmen.

Was mich beschäftigt: Dient (m)ein enger Terminkalender vielleicht auch dazu, Freiheit nicht aushalten zu „müssen“? Meine Coach Manuela Klein gibt mir eine noch umfassendere Perspektive mit auf meine Gedankenreise: Geht es bei Freiheit wirklich um „aushalten“ wie in dem schönen Wortspiel oder geht es eher um „Freiheit gestalten“? Eine neue Richtung: Schütze ich mich dadurch, dass ich vieles gleichzeitig umsetzen möchte davor, wirksam zu handeln und wirklich Verantwortung zu übernehmen? Das würde bedeuten: Terminkalender gestalten, Handlungsspielräume sehen und erhalten, meine Aufmerksamkeit auf das Mögliche richten und vor allem: das Mögliche tun!

Meine Gedankenreise zieht weiter – vermutlich braucht es auch Mut, das Mögliche zu tun. Mut, neue Pfade zu trampeln, zum Beispiel im eigenen Unternehmen. Sich anders verhalten als gewohnt, etwas ganz anders machen als es üblich ist und der Kultur entspricht. Bewusst wird mir auch, dass (verfestigte) Routinen in einer Organisation an sich weder gut noch schlecht sind; sie geben zunächst Stabilität, auch wenn gelebte schlanke Prozesse besser wären. Also – es kann weniger schief gehen als wir denken, wenn wir neue Pfade erschließen! Und wenn etwas schief geht, dann lerne ich daraus. Punkt.

Mit diesen Gedanken und meinem Mut habe ich im Lauf des letzten Jahres in meinem Unternehmen

  • Kolleg*innen motiviert, neue Lern- und Dialogformate zur Digitalen Arbeitswelt anzubieten, denn digitale Kompetenz ist bitter nötig in Deutschland, auch in der Gesundheitsbranche und sie eröffnet Freiräume.
  • persönlich unglaublich viel gelernt.
  • ein Planspiel zu Change und Transformation angeboten – diese Möglichkeit kam zu mir und hat einen zehn Jahre alten Traum erfüllt.
  • immer wieder bei den 1000 kleinen Dingen des Alltags die Möglichkeiten in den Blick genommen!

Die nötige Stabilität dafür geben mir mein Vertrauen in mich; meine Familie, Freund*innen, ein größer werdendes Netzwerk. Sicherheit geben mir auch Vorgesetzte, die meiner Kompetenz vertrauen und neue Wege nicht vorab mit Stoppschildern markieren.

Die Freiheit ist da – also lasst uns sie gestalten! #einfach machen

Inspiriert zu diesem Blogbeitrag, einem weiteren Schritt auf dem Weg in die Sichtbarkeit, haben mich John Stepper mit seinem großartigen Lernprogramm #WOL und mein #WOLgoesHealthcare-Circle mit Constanze Zeller, Martina Koch und Katharina Nolden. I thank you very much!

Zur Person:

Seit ich 16 bin, habe ich die Gesundheitsbranche aus vielen verschiedenen Perspektiven kennengelernt. 20 Jahre in der Patientenversorgung, ambulant wie stationär; 8 Jahre davon gleichzeitig Studentin wie auch freie Journalistin mit Schwerpunkt Gesundheit; 20 Jahre angestellt, u.a. in Interne und Patientenkommunikation und Projektmanagement, heute als Change Manager. Studium in Literatur und Wirtschaft, Qualifizierung als Coach.

Kontakt Bettina Jung: LinkedIn, Xing und Twitter

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