Eine Schatzkiste voller Daten

Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten gehört zu den bedeutendsten Aufgaben unserer Zeit. Wissen bestimmt unsere Gesundheit und unser Leben. Bedeuten mehr Daten auch mehr Wissen?

„Nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold.“ (Jack Sparrow, Fluch der Karibik)

Fragt man Google, was ein Schatz sei, erhält man als erste Antwort: „eine an einem Ort angehäufte Menge kostbarer Dinge“. Wer stellt sich hier nicht eine prall gefüllte Holzkiste mit glänzendem Gold, Dukaten und Edelsteinen vor – oder den Geldspeicher von Dagobert Duck? Heutzutage, in Zeiten von Industrie 4.0, Globalisierung und Vernetzung, würde die reichste Ente der Welt jedoch nicht in metertiefe Münzen, sondern eher in ein Meer aus Daten springen.

Wie sagte Angela Merkel kurz vor der IT-Messe Cebit 2016 in Hannover: „Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts.“ Denn sie sind die Basis unternehmerischer Entscheidungen. Dagoberts Meer aus Daten – es wäre eine regelrechte Datenflut: Das täglich erzeugte weltweite Datenvolumen überschreitet schon heute die Grenze des Vorstellbaren. Da wirkt der Begriff „Big Data“ fast verniedlichend.

Von Big Data zu Smart Data

Auch im Gesundheitswesen spielen Daten eine immer größere Rolle. In allen Bereichen, sei es Prävention, Diagnostik, Behandlung oder Nachsorge, werden Daten erzeugt, verarbeitet und archiviert. Es heißt, das ärztliche Wissen verdoppele sich mittlerweile innerhalb von zwei Jahren.

Doch wie auch in anderen Branchen gilt: Nicht die Menge ist entscheidend, sondern die Frage, wie wir mit diesen Daten umgehen. Ähnlich einem Rohdiamanten, der noch geschliffen werden muss, um seinen vollen Wert zu entfalten, steht die Verarbeitung der Informationen im Vordergrund. Die Daten müssen also klug zusammengeführt werden, damit sie uns nutzen können.

Drei Beispiele verdeutlichen dies:

(1) Moderne Krankenhausinformationssysteme machen es möglich, Patientendaten zentral zu verwalten. So können Ärzte und Pflegekräfte zuverlässig und schnell darauf zugreifen. Der Nutzen für den Patienten stellt sich aber nur dann ein, wenn die Daten vollständig und aktuell sind.

(2) Für die Forschung sind Datenpools regelrechte Goldminen. Anonymisierte medizinische Daten vieler Personen werden miteinander verknüpft. Somit erzeugen sie neue Daten. Daten, die im Optimalfall Leben retten.

(3)  Lernalgorithmen, kognitive Assistenten, künstliche Intelligenz: Wo menschliche Kapazität endet, springen Systeme ein. Sie begreifen Muster, lernen beständig und weisen uns so auf bisher unsichtbare Zusammenhänge hin, beispielsweise in der Diagnostik.

Reichtum verpflichtet

Experten sind sich einig: Die erhobenen Daten gehören dem Patienten. Daraus ergeben sich Rechte und Verantwortlichkeiten, aber natürlich auch Begehrlichkeiten. Die Panzerknacker-Bande kommt, so glauben viele, heutzutage in Form gewinnorientierter Unternehmen, der Krankenkassen oder möglichst allwissender Arbeitgeber daher. Zudem fühlen sich zahlreiche Menschen durch die Flut an Daten und den Zugang zu nahezu unbegrenzten Informationsmengen verunsichert.

Auch wenn der digitale Wandel nicht aufzuhalten ist: Die Verantwortung auf die Gesellschaft oder die Politik abzuschieben, reicht nicht aus. Das Ringen um die elektronische Gesundheitskarte ist ein gutes Beispiel dafür. Derzeit ist es völlig offen, ob es gelingen wird, die erforderlichen Schnittstellen zu schaffen und einen sinnvollen Datenschutz zu gewährleisten. Auf welche Weise auch immer die weiterentwickelte Karte kommt: Jeder von uns wird eine aktivere Rolle spielen als bisher – im Sinne seiner eigenen Gesundheit.

Schauen wir genau hin. Es gibt nicht viele Bereiche, in denen wir behaupten können: Unser Schatz vermehrt sich von selbst, auch ohne unser Zutun. Werden die Daten sinnvoll genutzt, ergeben sich hieraus bisher ungeahnte Chancen. Jeder Einzelne von uns steht vor der Herausforderung, seine ganz persönliche Schatzkiste zu verwalten, zu schützen und den Inhalt zum Wohle seiner Mitmenschen zu teilen.

Bildquelle: fotolia 98594965

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